Geschäftsführender Hauptvorstand zieht Bilanz

„Wow, das alles haben wir in nur fünf Jahren gemacht!“

Geschäftsführender Hauptvorstand zieht Bilanz

Foto: NGG

In seinem Tätigkeitsbericht hat der Geschäftsführende Hauptvorstand der NGG eine Bilanz der vergangenen fünf Jahre gezogen und sich der Diskussion mit den Delegierten gestellt.

Mit den Worten „Wow, das alles haben wir in nur fünf Jahren gemacht!“ blickte die scheidende NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger auf die vergangene Amtsperiode zurück: Es war ein hartes Stück Arbeit, das wir gemeinsam richtig gut hingekriegt haben.“ Dabei sei es nicht nur darum gegangen, auf „die wirklich unglaublich dreisten Renditeziele von Nestlé und Unilever, die Umstrukturierung der Lieken AG, den angekündigten Umzug der Homann Gruppe nach Leppersdorf, die Schließung der Produktion von BAT in Bayreuth, von Froneri (ehemals Schöller) in Uelzen und viele andere Gemeinheiten der Arbeitgeber“ angemessen zu reagieren, sondern auch neue Schwerpunkte zu setzen. Hierzu zählten etwa die „Initiative Lohngerechtigkeit, das Thema „Industrie 4.0“, der Relaunch der Mitgliederzeitschrift „einigkeit“ und die Lebensmittelpolitik.

Auch der Prozess der Organisationsentwicklung sei auf einem gutem Weg: sowohl was Investitionen in Personal, Mitgliederdatenbank und Kommunikation betreffe, als auch das gemeinsame Führungsverständnis. Politischen Diskussionsbedarf sehe sie aber insbesondere beim gesetzlichen Mindestlohn.

Ihre persönliche Bilanz zog die nach fünfzehn Jahren aus dem Vorstand ausscheidende Vorsitzende mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Ich bin unendlich dankbar. NGG ist immer meine Heimat gewesen. Nie hätte ich woanders arbeiten wollen. Aber ich habe ein gutes Gefühl. NGG ist auf einem guten Kurs. Selten stand ein Gewerkschaftstag so für Erneuerung.“ Ihren Dank für „unglaubliche 28 Jahre“ beantworteten die Delegierten mit Standing Ovations.

„Wir kämpfen weiter!“

In seinem Rückblick auf die Tarifarbeit der NGG verwies der stellvertretende NGG-Vorsitzende Guido Zeitler darauf, dass Tarifverträge immer häufiger mit Warnstreiks oder Streiks erkämpft werden müssen. Dank des großen Engagements in den Tarifrunden sei es allein in diesem Jahr gelungen, durchschnittlich 2,9 Prozent Erhöhung für die Mitglieder zu erreichen. Er nannte zahlreiche Beispiele dafür, „dass es sich lohnt, für seine Ziele zu kämpfen“: ob nun für eine Anhebung der Löhne auf Westniveau wie in der Obst und Gemüse verarbeitenden Industrie in Mecklenburg-Vorpommern, ein Bekenntnis zu den Homann-Standorten oder gegen die Teilschließungen und Kündigungen bei Nestlé: „Wir sagen dazu: Nein, wir machen da nicht mit, bei uns kommt der Mensch vor Marge. Wir kämpfen weiter, sowohl bei Nestlé, Unilever, Coca-Cola als auch in allen anderen Betrieben, Konzernen und Unternehmen.“

Harsche Kritik übte er an den Arbeitgebern der Fleischindustrie. An ihrer „sturen Haltung“ sei der Tarifabschluss und damit der Branchenmindestlohn für die Fleischwirtschaft gescheitert. Ein weiteres Problem seien nach wie vor die erbärmlichen, sklavenähnlichen Arbeits- und Wohnbedingungen der Werkvertragsbeschäftigten in der Branche. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Arbeitgeber habe daran nichts geändert. Nicht minder kritisch sah Zeitler die Angriffe der Arbeitgeber des Gastgewerbes auf das Arbeitszeitgesetz: „Der DEHOGA will, dass die Beschäftigten künftig bis zu 13 Stunden arbeiten. Und das bei einer harten körperlichen Arbeit. Das ist eine Frechheit!“

An die Adresse der Politik richtete der NGG-Vize den Appell, Steuergelder künftig nur noch mit harten Auflagen an Unternehmen zu vergeben. Nämlich nur dann, wenn Arbeitsplätze auch langfristig erhalten bleiben.

NGG verfolge mit der Kampagne „Faire Arbeit. Gutes Leben“ das Ziel, den demografischen Wandel in den Betrieben tarifpolitisch zu begleiten. Von der Politik erwarte NGG Antworten darauf, wie ein künftiges Rentensystem dem Problem der Altersarmut begegnen könne.