Gewerkschaftstag erarbeitet Leitlinien für die Zukunft

Politisches Forum eröffnet Antragsberatungen zum Thema „Arbeit der Zukunft gestalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern“

Wie wollen wir morgen arbeiten?

Foto: NGG

Mit einem politischen Forum nahm heute der 17. Gewerkschaftstag der NGG seine inhaltliche Arbeit auf.

Insgesamt gibt es für die Delegierten in den kommenden Tagen 121 Anträge zu verschiedenen Themenblöcken zu beraten. Am heutigen Vormittag stimmte man sich inhaltlich auf das gewerkschaftliche Kernthema „Arbeit der Zukunft gestalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern“ ein. Den Auftakt bildete ein Impulsreferat von Prof. Dr. Klaus Dörre, Universität Jena. Der Soziologe machte deutlich: „Wir stehen vor einer Zeitenwende!“. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe weiter auseinander, so Dörre. Er mahnte ein Umdenken an, ohne das wir die enormen ökologischen Herausforderungen nicht bewältigen können. Flucht und Migration nannte Dörr als weitere Faktoren für das Erstarken des Rechtspopulismus.

Glaubwürdige Interessenpolitik

Letzterer sei treffender mit einem Rassismus, der ohne Rassenbegriff auskomme, definiert. „Die Denke ist so: Jeder darf seine Kultur ausleben, aber eben nicht bei uns!“. Dörr wies die Kongressteilnehmer explizit darauf hin, dass diese Positionen auch unter Gewerkschaftern auf Zustimmung stoßen. Hier müsse die Gewerkschaftsarbeit ansetzen und einem Gefühl gesellschaftlicher Abwertung entgegenwirken.

„Entwickeln Sie eine glaubwürdige Interessenpolitik“, forderte der Soziologe. Um die Arbeitswelt von morgen zu gestalten, brauche es zum einen dringend digitale Rechte, damit sich multinationale Konzerne nicht länger demokratischer Kontrolle entziehen können. Die „digitale Tagelöhnerei“ müsse ein Ende haben, sagte Dörr in Hinblick auf Plattformökonomien. Ferner nannte er bezahlte Weiterbildung, die Anhebung des Lohnniveaus sowie eine Verkürzung der Arbeitszeit als entscheidende Faktoren. „Entwickeln Sie Lösungen für und mit ihren Beschäftigten. Wir brauchen Löhne zum Leben und die Freiheit, selbst über unsere Zeit zu verfügen.“

Hände weg vom Arbeitszeitgesetz

Anschließend stellte sich der Soziologe gemeinsam mit Susi Ferschl, MdB (Die LINKE/ NGG), Daniela Kolbe (SPD), Eva Rindfleisch (Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft CDA) und Norman Volger (Bündnis 90/Die Grünen) den Fragen des Moderators Stefan Müller. Einig war man sich über die Bedeutung des Arbeitszeitgesetzes. Während sich jedoch Eva Rindfleisch in Anlehnung an europäische Regelungen offen für Kompromiss zeigte, wies Susi Ferschl dies noch einmal deutlich zurück: „Die österreichischen Verhältnisse sollten uns ein Warnsignal sein: Arbeitszeiten von 13 Stunden und mehr sind krankmachende Verhältnisse, die wir verhindern müssen.“

Beim Thema gesetzlicher Mindestlohn verwies die Runde auf die notwendige Stärkung der Mindestlohnkommission. „Wir als NGG sind stolz darauf, diesen als erste gefordert und mit durchgesetzt zu haben. Am Ende geht es nicht um den genauen Betrag, sondern um gerechte Löhne, die dafür sorgen, dass die Menschen nicht arm sind, obwohl sie arbeiten!“, machte Susi Ferschl auf dem Podium deutlich. Weitere Fragestellungen waren Leiharbeit und Werkverträge sowie das Duale Ausbildungssystem und der soziale Wohnungsbau.