Kongress stimmt über weitere Anträge ab

„NGG – modern und erfolgreich im Ernährungs- und Gastgewerbe“

Politisches Forum zum Antragsblock B

Foto: NGG

Diejenigen Delegierten, die ihre Morgengymnastik versäumt hatten, konnten diese heute im Politischen Forum zum Antragsblock B „NGG – modern und erfolgreich im Ernährungs- und Gastgewerbe“ ganz nebenbei nachholen: Sie waren aufgefordert, nach kurzen Faktenchecks zu den Themen „Tarifpolitik“, „Organisationsentwicklung“, „Plattformökonomie“: Lieferdienste“ und „jungeNGG“ jeweils Fragen zu beantworten und zwar nicht durch Handzeichen, sondern durch Aufstehen. Gefragt wurde etwa nach Tarifverträgen, Veränderungen bei Schichtarbeit, Größe der Belegschaft, Einfluss moderner Technologie auf das Privat- und Berufsleben und inwieweit NGG Letzteres beeinflussen kann sowie zur Anzahl der Auszubildenden und Jugend- und Auszubildendenvertretungen im Betrieb.

Schwierige Überzeugungsarbeit

Martina Weber, Betriebsratsvorsitzende bei der Kulmbacher Brauerei und Tarifkommissionsmitglied bayerische Brauereien, sprach über die Schwierigkeiten, das Schichtmodell zu verändern, um der vielen Überstunden Herr zu werden: „Dies ist ein ganz schwieriges Unterfangen. Mittlerweile ist auch die Geschäftsführung bereit, Personal einzustellen, nachdem wir uns viel Jahre immer mit der gleichen Personalstärke und mit Überstunden ohne Ende durchgehangelt haben. Der Haken ist, unsere Stammmannschaft nach gefühlten 50 Jahren, in denen sie im Schichtsystem gearbeitet hat, davon zu überzeugen, dass für bessere Planbarkeit, für mehr Freizeit, für die Rückkehr zur 38-Stunden-Woche oder auch für die Einhaltung der Ruhezeiten zwischen den Schichten eine Änderung des Schichtmodells nötig ist. Es ist auch auf Arbeitnehmerseite schwierig, Überzeugungsarbeit zu leisten und die Leute mitzunehmen. Wobei man sagen muss: Den jungen Leuten, die jetzt nachgerückt sind, ist eher an Freizeit als an Wochenendarbeit gelegen.“

„Wir wollen wachsen“

Den unter großer ehrenamtlicher Beteiligung ins Rollen gebrachte Organisationsentwicklungsprozess bei NGG stellte die zuständige Projektsekretärin Esther Wiebel vor. „Unser Hauptziel: Wir wollen wachsen, also mehr Mitglieder gewinnen und uns intern so weiterentwickeln, dass wir das hinkriegen.“ Wichtige Aspekte dabei seien regionsübergreifende Rechtsberatung, intensive Betriebsbetreuung sowie Mitgliederwerbung und Betriebsrätegründung in noch nicht erschlossenen Betrieben.

„Viele von uns wussten gar nicht, was Gewerkschaft überhaupt ist“

Orry Mittenmayer, Student der Politikwissenschaften und Mitinitiator der Initiative „Liefern am Limit“, berichtete von den harten Arbeits- und Entlohnungsbedingungen für die „Rider“, also Fahrer bei Essenslieferdiensten wie Deliveroo, Foodora und Lieferando: „Viele von uns wussten anfangs gar nicht, was Gewerkschaft und Betriebsrat überhaupt ist. NGG hat uns mit Engelsgeduld erklärt, wie wichtig das ist. NGG ist gerade der einzige gewerkschaftliche Akteur, der da in die Plattformökonomie reingeht.“ Er selber sei zwar kein Rider mehr, engagiere sich aber noch bei der Online-Kampagne ‚Liefern am Limit‘: „Social Media ist heutzutage ein Mittel, um Unternehmen auch treffen zu können.“

„Ein bisschen jünger, lebendig, bunt, sehr aktiv und stark“.

Als wichtige Themen für junge Menschen benannte Philipp Hoffmann, Betriebsratsmitglied bei Homann Dissen und seit gestern Vertreter der Jugend im NGG-Hauptvorstand: „kurzfristig eine gute Ausbildung und ein guter Berufsbeginn, mittelfristig ein vernünftiger Job mit vernünftiger Bezahlung, aber trotzdem noch Zeit für sein Leben, seine Familie, und langfristig eine gute Rente“.

Eine besondere Bedeutung komme überdies den Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) als „Experten für die Rechte in der Ausbildung“ zu: „Deshalb sollte der Betriebsrat die JAVen noch mehr einbeziehen. Sie sind die Betriebsräte von morgen.“ Um mehr junge Mitglieder zu werben, regte er an, vermehrt spezielle Aktionen und Veranstaltungen vor Ort in den Regionen anzubieten. Für die Zukunft wünsche er sich eine NGG, die „ein bisschen jünger, lebendig, bunt, sehr aktiv und stark ist“.