Lebensmittelpolitisches Forum

Sozialer Aspekt wichtig bei der Nachhaltigkeit von Lebensmitteln

Der Apfel als Genussprodukt

Foto: Simone M. Neumann

Mit einer von der Journalistin Nadine Lindner (Deutschlandfunk) moderierten lebensmittelpolitischen Diskussion startete der Gewerkschaftstag am heutigen Nachmittag in den Themenblock „Gute Arbeit. Gutes Essen“. Auf dem Podium saßen Dr. Margarete Büning-Fesel (Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung, BZfE), Stefanie Sabet (Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V.), Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. Letzterer wies zu Beginn der Diskussion auf die große Bedeutung der Lebensmittelindustrie hin: „In jedem siebten deutschen Industrieunternehmen werden Lebensmittel produziert. Das macht die Branche zum drittgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands mit rund 700.000 Beschäftigten“, so Zeitler.

Mehr pflanzliche Nahrungsmittel

Laut Prof. Gottwald gehört die Entwicklung neuer gesunder Produkte und plastikfreier Verpackungen zu den aktuellen Themen der Branche. Herausforderungen seien die Gen- und Biotechnologie ebenso wie die Digitalisierung. Stefanie Sabet lobte die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner initiierte Vereinbarung zur freiwilligen Reduzierung von Fett, Zucker und Salz. Diese sei ein Innovationsbeschleuniger, so Gottwald, zumal man dem Verbraucher gesunde Alternativen zu den herkömmlichen Geschmacksträgern bieten müsse. Das brauche Zeit für neue Produktentwicklungen. Guido Zeitler bemängelt, dass die Vereinbarung über die Köpfe der Beschäftigten hinweg, ohne Beteiligung der Gewerkschaft zustande gekommen sei. „Wir haben so viele gesunde Produkte wie noch nie“, gab Dr. Margarete Büning-Fesel zu bedenken. Gleichzeitig sei die Zahl übergewichtiger Menschen viel zu hoch, so die Ernährungsexpertin weiter, der Konsum pflanzlicher Lebensmittel müsse deutlich erhöht werden.

Personalisierte Ernährung

Die Digitalisierung ist in der Ernährungswirtschaft in vielen Bereichen bereits stark vorangeschritten. „In der Lebensmittelproduktion sind wir längst in der kompletten Automatisierung angekommen, so Prof. Gottwald. Eine Antwort darauf müssen die Sozialpartner gemeinsam geben, entgegnete die Arbeitgebervertreterin Sabet. Für die NGG stehe dabei die Qualifizierung im Mittelpunkt, so Guido Zeitler.

„Wir haben die globale digitale Werkbank. Das Gros der Produkte wird weltweit unter prekären Bedingungen hergestellt“, sagt Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald. „Der gemeine Apfel ist da schon ein Genussprodukt!“ Gleichzeitig bestärkte er das Plenum darin, sich als Gewerkschafter in dem hart kapitalgetriebenen Markt der Lebensmittelindustrie für soziale Nachhaltigkeit stark zu machen.  

Unter dem Stichwort „Gute Arbeit. Gutes Essen." legt die NGG auf ihrem Gewerkschaftstag einen Fokus auf die Arbeits- und Tarifbedingungen in der Lebensmittelindustrie. Der gesamte Kongress steht unter dem Motto „Frische Rezepte für gute Arbeit".