Guido Zeitler zum neuen Vorsitzenden gewählt

Abschied und Neuwahlen

Leipzig zeigte sich am zweiten Tag des NGG-Kongresses von seiner sonnigen Seite und ließ Delegierte sowie zahlreiche Gäste schwungvoll in einen sehr besonderen, weil emotionalen Tag starten. Nach der Begrüßung durch die scheidende NGG-Vorsitzende, Michaela Rosenberger, stand zunächst die Konstituierung auf der gut gefüllten To-do-Liste der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In seinem Bericht zog der Geschäftsführende Hauptvorstand (GHV) der NGG eine Bilanz der vergangenen fünf Jahre und stellte sich anschließend der Diskussion. Mit den Worten „Wow, das alles haben wir in nur fünf Jahren gemacht!“ blickte Michaela Rosenberger auf die vergangene Amtsperiode zurück. Ihre persönliche Bilanz zog die nach fünfzehn Jahren aus dem Vorstand ausscheidende Vorsitzende unter anderem mit einem Blick nach vorn: „Die NGG ist auf einem guten Kurs. Selten stand ein Gewerkschaftstag so für Erneuerung.“ Ihren Dank für „unglaubliche 28 Jahre“ beantworteten die Delegierten mit Standing Ovations. Nachfolger Guido Zeitler wurde am Nachmittag mit 88 Prozent der Stimmen zum neuen NGG-Vorsitzenden gewählt. Bereits zuvor hatte Zeitler in seinem Rückblick auf die erfolgreiche Tarifarbeit verwiesen. Er forderte seine Gewerkschaft auf, für ihre Ziele zu kämpfen – ob nun für eine Anhebung der Löhne auf Westniveau wie in der Obst und Gemüse verarbeitenden Industrie in Mecklenburg-Vorpommern, für ein Bekenntnis zu den Homann-Standorten oder gegen die Teilschließungen und Kündigungen bei Nestlé. „Bei uns kommt der Mensch vor der Marge“, bekräftigte Zeitler. Auch die neuen stellvertretenden Vorsitzenden, Claudia Tiedge (seit 2016 Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover) und Freddy Adjan (bislang Vorsitzender des Landesbezirks Bayern) wurden vom Plenum mit großer Mehrheit gewählt.

Emotionaler Abschied des zweiten Kongresstages war die Verabschiedung von Michaela Rosenberger. Neben einem Video-Grußwort der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und der Laudatio der GEW-Vorsitzenden, Marlis Tepe, verabschiedeten sich hauptamtliche und ehrenamtliche NGGler aus allen Landesbezirken und Gruppen mit einem emotionalen Video-clip. Am Ende des Tages waren sich alle einig: „Danke, Michaela! Deine Kraft wird uns fehlen!“

„Herzlichen Dank für alles, Michaela!“

NGG-Vorsitzende wird verabschiedet

Foto: NGG

Ich hatte doch gebeten, dass ihr kein Gedöns macht“, so die bewegte und bewegende Reaktion der ehemaligen NGG-Vorsitzenden Michaela Rosenberger auf die herzliche Verabschiedung, die ihr heute auf dem Gewerkschaftstag zu Teil wurde. Los ging es mit den Worten ihres Nachfolgers, dem neu gewählten NGG-Vorsitzenden Guido Zeitler: „So einfach kommst du uns hier heute nicht weg.“ Und er sollte Recht behalten. Nach einem Video-Grußwort der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig verwies die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe in ihrer Laudatio auf Gemeinsamkeiten. Hierzu gehöre nicht nur, dass beide aus Schleswig-Holstein stammen, schon früh in lila Latzhosen mit Anti-AKW-Sonne für Frauenrechte gekämpft und sich gegen die Arbeit in der Politik und für die Gewerkschaft entschieden haben, sondern auch beide 2013 zur Gewerkschaftsvorsitzenden gewählt worden seien: „Das war ein historischer Moment. Du hast als Erste die gläserne Decke durchbrochen. Chapeau, Michaela! Das ist ein neues Rollenmodell dafür, dass wir Frauen alle dahin kommen können. Und du verteidigst die Menschenwürde, stellst dich den rechtspopulistischen Bestrebungen entgegen. Deine Kraft wird fehlen, du wirst mir fehlen!“

Während der darauffolgenden, lang anhaltenden stehenden Ovationen für Michaela Rosenberger waren ihre Worte fast nicht zu hören: „Ihr seid das Tollste, was mir in meinem Leben passiert ist“.

Johan Botella zum Vorsitzenden des Hauptausschusses gewählt

Wahlvorschläge aus den Regionen bestätigt

Foto: NGG

1991 kandidierte Johan Botella zum ersten Mal beim Getränkeriesen Coca-Cola für den Betriebsrat. Gleich im ersten Anlauf wurde er damals Betriebsratsvorsitzender. Ein Erfolgserlebnis, an das er in den vergangenen Jahren immer wieder anknüpfen konnte. Auch heute fuhr der 56-Jährige aus der NGG-Region Stuttgart mit knapp 93 Prozent der Stimmen ein hervorragendes Ergebnis bei der Wahl zum Vorsitzenden des NGG-Hauptausschusses ein. Der Hauptausschuss ist das Kontrollorgan des Hauptvorstandes. Botella folgt auf den langjährigen Hauptausschuss-Vorsitzenden Martin Schröer.

Am Nachmittag bestätigte der Kongress zudem alle 20 ehrenamtliche Funktionärinnen und Funktionäre, die von den 50 Regionen im Vorfeld des Gewerkschaftstages in den NGG-Hauptausschuss gewählt worden waren. Als Vertreterin für die NGG-Fauen wurde Conny Felten, Betriebsratsmitglied bei der Hamburger Holsten-Brauerei, in das Gremium gewählt. Der 25-jährige Phillipp Hoffmann wurde als Vorsitzender des Bundesausschusses jungeNGG  in das Gremium gewählt.

Guido Zeitler mit großer Mehrheit zum neuen NGG-Vorsitzenden gewählt

Claudia Tiedge und Freddy Adjans werden Stellvertreter

Foto: NGG

Diese Gewerkschaft hat mich geprägt", sagte der am heutigen Nachmittag mit 88 Prozent der Stimmen neu gewählte NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. Den Delegierten in der Leipziger Kongresshalle versprach der 47-jährige Zeitler eine Politik, bei der auch in Zukunft Solidarität und gemeinsames Handeln im Mittelpunkt stehen werden. Die 42-jährige Claudia Tiedge, war seit 2016 Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover. Als stellvertretende Vorsitzende des GHV will sie weiterhin ihrem Motto „motivieren, diskutieren, überzeugen“ treu bleiben. Als Dritten im Bunde wählten die Delegierten den bisherigen Vorsitzenden des Landesbezirks Bayern Freddy Adjan. In einer emotionalen und launigen Rede ermahnte der 50-jährige Adjan seine Gewerkschaft zu selbstbewusstem Auftreten und dazu, die Individualität der Regionen und Branchen in die politische Arbeit einzubeziehen. Freddy Adjan wurde mit über 94 Prozent der Stimmen gewählt.

Der Geschäftsführende Hauptvorstand (GHV) führt die Geschäfte der NGG und vertritt die Gewerkschaft nach innen und außen.

Das Einmaleins des Essens

Verpflegung in Schulen und Kitas

Foto: XiXinXing - shutterstock.com

Was tun gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen? Auf ihrem Gewerkschaftstag hat die NGG die Einführung eines eigenen Schulfachs Ernährung gefordert – während in Berlin Ernährungsministerin Julia Klöckner und Gesundheitsminister eine neue Studie zum Thema vorstellen. „Nicht nur die Eltern, sondern auch der Staat muss hier mehr tun. Neben Deutsch, Mathe und Bio gehört auch gesundes Essen auf die Lehrpläne“, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Guido Zeitler in Leipzig.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren in Deutschland zuletzt 6,9 Prozent der Mädchen und 11,2 Prozent der Jungen zwischen fünf und 19 Jahren fettleibig. Im Jahr 1980 galten lediglich vier Prozent der Jungen als stark übergewichtig.

Die Zahlen sind alarmierend. Grundsteine für eine bessere Ernährung müssen bereits im Kindesalter gelegt werden“, so Zeitler, der von einem „Einmaleins des Essens“ sprach. Dabei gehe es nicht nur darum, was in den Lebensmitteln steckt, sondern auch, wie Tiefkühlpizza und Joghurt produziert werden. „Wer selbst schon einmal ein Brot gebacken oder Erdbeeren geerntet hat, der ernährt sich bewusster.“

Die NGG plädiert außerdem für höhere Qualitätsstandards beim Essen in Schulkantinen und Kita-Küchen. „Um die Kosten dafür auch für die Eltern gering zu halten, sollte sich der Staat engagieren. Über die Steuer kann er eine Menge tun“, sagte Zeitler.  In Schulen und Kitas solle deshalb die ermäßigte Mehrwertsteuer von sieben Prozent gelten. Bisher liegt die Abgabe für Schulessen bei 19 Prozent – genauso hoch wie im Fastfood-Restaurant.

„Wow, das alles haben wir in nur fünf Jahren gemacht!“

Geschäftsführender Hauptvorstand zieht Bilanz

Foto: NGG

In seinem Tätigkeitsbericht hat der Geschäftsführende Hauptvorstand der NGG eine Bilanz der vergangenen fünf Jahre gezogen und sich der Diskussion mit den Delegierten gestellt.

Mit den Worten „Wow, das alles haben wir in nur fünf Jahren gemacht!“ blickte die scheidende NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger auf die vergangene Amtsperiode zurück: Es war ein hartes Stück Arbeit, das wir gemeinsam richtig gut hingekriegt haben.“ Dabei sei es nicht nur darum gegangen, auf „die wirklich unglaublich dreisten Renditeziele von Nestlé und Unilever, die Umstrukturierung der Lieken AG, den angekündigten Umzug der Homann Gruppe nach Leppersdorf, die Schließung der Produktion von BAT in Bayreuth, von Froneri (ehemals Schöller) in Uelzen und viele andere Gemeinheiten der Arbeitgeber“ angemessen zu reagieren, sondern auch neue Schwerpunkte zu setzen. Hierzu zählten etwa die „Initiative Lohngerechtigkeit, das Thema „Industrie 4.0“, der Relaunch der Mitgliederzeitschrift „einigkeit“ und die Lebensmittelpolitik.

Auch der Prozess der Organisationsentwicklung sei auf einem gutem Weg: sowohl was Investitionen in Personal, Mitgliederdatenbank und Kommunikation betreffe, als auch das gemeinsame Führungsverständnis. Politischen Diskussionsbedarf sehe sie aber insbesondere beim gesetzlichen Mindestlohn.

Ihre persönliche Bilanz zog die nach fünfzehn Jahren aus dem Vorstand ausscheidende Vorsitzende mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Ich bin unendlich dankbar. NGG ist immer meine Heimat gewesen. Nie hätte ich woanders arbeiten wollen. Aber ich habe ein gutes Gefühl. NGG ist auf einem guten Kurs. Selten stand ein Gewerkschaftstag so für Erneuerung.“ Ihren Dank für „unglaubliche 28 Jahre“ beantworteten die Delegierten mit Standing Ovations.

„Wir kämpfen weiter!“

In seinem Rückblick auf die Tarifarbeit der NGG verwies der stellvertretende NGG-Vorsitzende Guido Zeitler darauf, dass Tarifverträge immer häufiger mit Warnstreiks oder Streiks erkämpft werden müssen. Dank des großen Engagements in den Tarifrunden sei es allein in diesem Jahr gelungen, durchschnittlich 2,9 Prozent Erhöhung für die Mitglieder zu erreichen. Er nannte zahlreiche Beispiele dafür, „dass es sich lohnt, für seine Ziele zu kämpfen“: ob nun für eine Anhebung der Löhne auf Westniveau wie in der Obst und Gemüse verarbeitenden Industrie in Mecklenburg-Vorpommern, ein Bekenntnis zu den Homann-Standorten oder gegen die Teilschließungen und Kündigungen bei Nestlé: „Wir sagen dazu: Nein, wir machen da nicht mit, bei uns kommt der Mensch vor Marge. Wir kämpfen weiter, sowohl bei Nestlé, Unilever, Coca-Cola als auch in allen anderen Betrieben, Konzernen und Unternehmen.“

Harsche Kritik übte er an den Arbeitgebern der Fleischindustrie. An ihrer „sturen Haltung“ sei der Tarifabschluss und damit der Branchenmindestlohn für die Fleischwirtschaft gescheitert. Ein weiteres Problem seien nach wie vor die erbärmlichen, sklavenähnlichen Arbeits- und Wohnbedingungen der Werkvertragsbeschäftigten in der Branche. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Arbeitgeber habe daran nichts geändert. Nicht minder kritisch sah Zeitler die Angriffe der Arbeitgeber des Gastgewerbes auf das Arbeitszeitgesetz: „Der DEHOGA will, dass die Beschäftigten künftig bis zu 13 Stunden arbeiten. Und das bei einer harten körperlichen Arbeit. Das ist eine Frechheit!“

An die Adresse der Politik richtete der NGG-Vize den Appell, Steuergelder künftig nur noch mit harten Auflagen an Unternehmen zu vergeben. Nämlich nur dann, wenn Arbeitsplätze auch langfristig erhalten bleiben.

NGG verfolge mit der Kampagne „Faire Arbeit. Gutes Leben“ das Ziel, den demografischen Wandel in den Betrieben tarifpolitisch zu begleiten. Von der Politik erwarte NGG Antworten darauf, wie ein künftiges Rentensystem dem Problem der Altersarmut begegnen könne.

Alle Branchen gut vertreten

Der zweite Kongresstag hat begonnen

Foto: NGG

Mit einer Begrüßung der scheidenden NGG-Vorsitzenden, Michaela Rosenberger, hat der zweite Kongresstag begonnen. Während vor den Toren die Sonne strahlt, stand im Saal zunächst die Konstituierung des Gewerkschaftstages auf dem Programm:

Dafür war bereits vorab eine Mandatsprüfungskommission (MPK) aus jeweils einem Vertreter der fünf Landesbezirke gewählt worden. Ihre Sprecherin, Kerstin Meißner aus Leipzig, verkündete dem vollbesetzten Plenum die Ergebnisse: 47 Prozent der insgesamt 163 stimmberechtigten Delegierten sind Frauen. Der Altersdurchschnitt liegt bei knapp 53 Jahren, wobei die älteste Delegierte 73 und die jüngste  23 Jahre alt ist. Von den durch die NGG vertretenen Branchen ist die Getränkeindustrie unter den Stimmberechtigten in Leipzig mit 30 Vertretern am stärksten vertreten – dicht gefolgt von der Getreidebranche mit 29 und dem Gastgewerbe mit 23 Delegierten. Über Fleisch, Milch und Fett, Zucker und Süßwaren bis hin zu Obst und Gemüse  und Tabak sind alle Branchen im Plenum vertreten. Erwartungsgemäß gab es keinerlei Einwände gegen die Anerkennung aller Mandate. Damit nimmt der 17. Gewerkschaftstag der NGG seine Arbeit auf.